JOSEF PIRMANN E.U.

Firmengeschichte von 1919 bis 2019

1919

Am 1. September 1919 gründet Josef Pirmann im Alter von 30 Jahren den Einzelhandelsbetrieb mit Zubehörartikeln für Pferdefuhrwerke in der Schönburgstraße 33 im 4. Wiener Gemeindebezirk.

Die Kunden sind damals Sattlermeister in Mittel- und Ostösterreich wie auch in Westungarn, dem heutigen Burgenland.

Der Anfang ist nicht leicht. Damals wird alles noch mit Rucksack und Handwagen befördert.
Das erste eingenommene Geld in Originalscheinen und Münzen, sowie die Postabschnitte der erstversandten Pakete haben wir bis heute aufbewahrt. Auch sind wir dem Anspruch des Firmengründers treu geblieben:

  

„Kundenservice bedeutet, dass Bestelleingang für Lagerware und Auslieferung amselben Tag zu erfolgen hat.“

 

Der schwierigste Zeitabschnitt in den darauffolgenden Jahren ist der der Geldentwertung.
Tägliche Inflationswerte von 5% sind keine Seltenheit. Dies bedeutet, dass alle Preise nach Geschäftsschluss in der Nacht zu überarbeiten sind.

Trotzdem werden Kataloge in handgezeichneter Vervielfältigung bei den Handwerkern aufgelegt.
  

   
Firmengründer Josef Pirmann 1919 und 1958
1933

Herausgabe des ersten großen Sattlerwarenkatalogs, auf den unser Firmengründer besonders stolz ist, da dieser sehr aufwendig im Druckverfahren mit richtigen Bildern ausgestattet war.
Es handelte sich hauptsächlich um Pferdegeschirrbeschläge. Die Auswahl umfasste unter anderem auch Sonnensegel, Matratzengradl, Strohsackzwilche, Ottomanstoffe und vieles mehr.

Die Wohnkultur wandelt sich auf dem Lande. Der Strohsack als Vorgänger der Matratze wird nur mehr als Unterbett verwendet und der Ottoman mit dem keilförmigen Kopfteil hält Einzug in viele Landküchen. Es zeigt sich, dass der wohnliche Nachholbedarf nach dem ersten Weltkrieg groß ist, wobei auch wir mit unserem Warensortiment die Veränderung vom Pferdesattler zum Raumausstatter mittragen.

1935

Noch vor dem zweiten Weltkrieg kommen die ersten Möbelstoffkollektionen mit Lagerhaltung von circa 25 Positionen Strie-Stoffen heraus.

1939

übersiedeln wir in unser heutiges Geschäftslokal unweit des damaligen Südbahnhofs.

Während des 2. Weltkrieges müssen 9/10tel des Warenlagers durch Verordnung der Berliner Wirtschaftsstelle auf Außenlager bei einigen unserer Kunden aufgeteilt werden, wobei ein Großteil der Bestände durch Kriegseinwirkungen verloren geht.

Während der Bombardierungen der Kriegstage bleibt das Geschäftslokal intakt, doch ist 1945 der Gürtel über eine Woche lang intensive Kampfzone. Alle Türen im Haus sind aufgebrochen, alle Räume für jedermann zugänglich, wir finden Fächer und Laden entleert oder deren Inhalt am Boden ausgestreut vor. In diesem Zustand beginnt der Aufbau nach dem Kriegsende (und das mit sehr leerem Magen).

1946 Nach dem zweiten Weltkrieg gibt es eine "Renaissance des Pferdefuhrwerkes"; man erlebt einen Aufschwung, der etwa bis ins Jahr 1952 anhält.
1953

erfolgt der Kauf des ersten firmeneigenen LKWs (VW Bulli) zur Warenzustellung.

1957 kommt die erste größere Möbelstoffkollektion, damals noch händisch in der Firma Pirmann gefertigt, auf den Markt.
1959

 Zwei Jahre später erfolgte die Auflage in heutiger Form.

Zur weiteren großen Artikelgruppe entwickelt sich die Sparte der Federkerne für Sitzmöbel, Matratzen- und Bettbänke.

1955 beginnen die Warenimporte aus dem europäischen Raum (Kräuselvelours von Kreimer, Freckenhorst).
1957 wird die Firma in eine OHG umgewandelt, unter Aufnahme der Tochter Marlene und den Söhnen Josef und Johannes als Gesellschafter. Wir kaufen den erste PKW für Kundenbesuche und beauftragen einen selbständiger Vertreter für den südösterreichischen Bereich. 
1959 bauen wir die Kellerräume für Lagerzwecke um. 
1960 erfolgt eine Erweiterung des Möbelstoffangebotes durch neuere und schönere Möbelstoffmusterbücher. In der Folge wird auch das Zubehör wie z.B. Polstergestelle in großem Umfang ausgebaut. Es steht eine große Auswahl an verschiedenen Bettbankgestellen, Couch- und Fauteuilgestellen (roh und in vielen Beizfarben) zur Verfügung, die zur Weiterverarbeitung an Enderzeugerbetriebe verkauft wird und im damaligen großem Kellerlager im 4. Bezirk in der Schelleingasse 31 gelagert werden.  
1966

werden alle Geschäftsräume renoviert und wir arbeiten nun in freundlichen Arbeitsräumen und einem modernen Auftragsbüro mit zeitgemäßer Telefonanlage.

Das Zusatzlokal Laxenburgerstraße 13 ist bezugsfertig.

Das PVC hat seinen Siegeszug noch nicht abgeschlossen. Immer wieder kommen neue Produkte auf den Markt. Die Aufnahme des PVC-Bodenbelags, genannt Thelon, ist unser erster Sprung in die Bodenbelagsbranche. Gefolgt von Fliesenbelägen, Papierlackbelägen (Bedola), PVC-Filzbelägen.
1970 Nach dem Tod des Firmengründers wird der Betrieb durch die drei Geschwister Marlene, Josef und Johannes weitergeführt.
1972

nehmen wir Tuftingteppich-Beläge in großem Umfang in unser Sortiment auf und geben Teppichmusterständer der Produktgruppe Eybl an unsere Kunden aus. Zwischenzeitlich werden erstmals auch Warenexporte, unter anderem in das ehemalige Jugoslawien, durchgeführt.

Die ersten vier Möbelstoffpaternoster ziehen in unser Untergeschoß ein und erleichtern die Lagerarbeiten sehr.
1973 bringt die Neugestaltung des Geschäftsportals mit großen Schaufensterauslagen.  
1975 Der durch die Ölkrise hervorgerufene allgemeine Pessimismus wirkt sich glücklicherweise nicht auf den Geschäftslauf der Firma Pirmann aus. Wir bleiben vom Wirtschaftsabschwung verschont.

Besonders der Handel mit Teppichen erweist sich als krisensicher. Es stehen für die Lagerung und Abwicklung drei weitere Paternoster mit Mess- u. Rollmaschinen zur Verfügung. Damals haben wir mit 24 Mitarbeitern den Höchststand an Beschäftigten.
1977 steigen wir erstmals groß in den Vorhangbereich mit wunderschönen Stickgardinen aus Frankreich ein. Darauf erfolgt eine Programmerweiterung mit Landhausgardinen, Fertigraffgardinen, und Fertigblumenfenstern.
1978 übersiedelt die Messe Texbo von Wels nach Salzburg und wir können bei unserer erstenTeilnahme mit unserem Gardinenprogramm punkten.
So wird die Texbo für 30 Jahre ein offenes Fenster zu unseren Kunden. Auch der Möbelstoff bleibt immer ein fester Bestandteil unserer Produktgruppe, wobei in letzter Zeit der Stoff aus Naturfaser mehr und mehr an Bedeutung gewinnt.
1979 Ende der 70er Jahre sehen wir uns vor der Entscheidung unser Tuftin - Teppichprogramm dem Marktbedürfnis entsprechend weiter aufzufächern, auf Grund der Begrenztheit unseres Lagerraums beschließen wir aber uns lieber mit voller Energie dem Vorhang und Möbelstoffbereich zu widmen.
1981 erfolgt die Umgründung der OHG in die Gesellschaftsform der KG mit Josef Pirmann als Komplementär bzw. Marlene und Johannes Pirmann als Kommanditisten.
1984

entwickelt sich das Gardinengeschäft gut. Unser Angebot an vorgefertigten Blumenfenstern und rustikalen Landhausgardinen findet eine sehr positive Aufnahme bei unseren Kunden.

Der bisherige Fakturen-Automat wird abgelöst durch einen neuen Personalcomputer für Fakturierung und Warenwirtschaft inkl. einer Kundenstatistik, die damals für die Bonus-Rückvergütung der Vorhänge, teilweise auch der Möbelstoffumsätze am Jahresende sehr hilfreich ist.
1987 Wir erweitern unser Kellerlager für eine breite Palette an klein gemusterten, schwer entflammbaren und geraschelten Velouren.
1988 tritt Michael Pirmann als Angestellter in unsere Firma ein. Er arbeitet vorerst in der Buchhaltung.  
1990

nehmen wir Dekorstoffe in unser Verkaufsprogramm auf. Der große Durchbruch gelingt  jedoch erst Anfang 1992 mit den Sarga-Dekorstoffen.

Michael Pirmann setzt sich für diese Artikelgruppe besonders ein. Es werden eigene Dekorationsformen kreiert, die als Fotos auf den Musterschals gute Werbewirkung erzielen.
1995 ein neuer mit unserem Lokal verbundener Lagerraum entsteht und unsere Büroarbeit vereinfacht eine neue Computer-Generation mit einem Fakturen-Programm, gleichzeitig mit einer Vernetzung der einzelnen Computerarbeitsplätze mit der Kassastation.
1998

beginnt Michael Pirmann eine Nähwerkstätte einzurichten.

Es erfolgt die Schenkung der Geschäftsanteil von Johannes und Marlene Pirmann an ihren Neffen Michael Pirmann, sodass dieser als gewerblicher Geschäftsführer ab diesem Zeitpunkt die geschäftlichen Geschicke mitgestaltet.
ab 2006 renovieren wir das Portal und den Verkaufsraum mit neuen Stellagen für unsere erweiterte große Palette an Posamentrie-Artikeln, die außer Möbelborten und Möbelschnüren nun auch Vorhangposamenten und vieles mehr bietet.
2008 Im September tritt der Urenkel des Gründers, Florian Pirmann als Lehrling in die Firma ein und macht seinen Lehrabschluss 2011 – derzeit in Bildungskarenz
2012

erfolgt die Erneuerung der Verkaufstische mit Sichtfenstern zur Präsentation mittlerer und kleiner Polsterzubehöre und unseres neuen Treppenseil-Angebotes.

Die Erweiterung im Keller bringt uns neue Lagerfläche für Möbelstoffe und ein neues Kunstlederprogramm aus nun 9 Qualitäten zu je circa 25 Farben.
2014 Unser Preiskatalog mit Abbildungen der Produkte bietet unseren Kunden Überblick über die vielen Zubehöre.
Wir legen den Fokus auf einen möglichst kleinen ökologischen Fußabdruck und somit auf Produkte aus europäischer Produktion. Neue Polstermaterialien aus Naturprodukten halten Einzug ins Programm  (100% Naturlatex, Bio BW-Wattevlies,…).
ab 2018 erscheinen dieser Philosophie folgend unsere aktuellsten Möbelstoff-Bücher Flax und Courtrai Flax mit hohen Naturfaseranteilen.
2019 steht uns noch immer Josef Pirmann - unser “Senior“ -, Sohn des Firmengründers trotz seiner 87 Jahre mit Rat und Tat zur Seite. Mit Eintritt von Veronika Pirmann im Juli 2019, sind wieder 3 Generationen im Familienbetrieb präsent.

Michael Pirmann: “Unsere Strategie um in Zukunft erfolgreich zu sein ist, eine weiterhin sehr breite Palette an qualitativ hochwertigen Produkten anzubieten, vom Federkern über den Möbelstoff bis zur Möbelborte. Unser großes Plus ist, dass wir ein Familienbetrieb, sind gut strukturiert und effizient. Wir arbeiten derzeit mit 100 % Eigenkapital und wir reinvestieren in
den Betrieb. Es macht mir mehr Freude mit meinem Team in einem guten Klima und größtmöglicher Stabilität zu arbeiten, als mir irgendeinen unnötigen Luxus zuzugestehen.“

Veronika, Michael und Josef Pirmann  2019